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Dienste dem Mutterland

Von Sir Rohner

Vorletzte Woche war es einmal mehr soweit. Meine Wenigkeit durfte mit 40 Gleichgesinnten an einem zeitlich sehr eng begrenzten Wiederholungskurs des Zivilschutzes teilnehmen. Die angenehmen Seiten dieser WK’s bestehen immer darin, dass sie nur zwei Tage dauern. Die Kehrseite der Medaille hingegen schmerzt in der rechten Gesässtasche in Form von Wehrpflichtersatz ungeheuerlich. Nur wenige Tage vor meinem Dienst überwies ich also noch 710 Eidgenossen in das löchrige Sparschweinchen der Armee und «erkaufte» mir gewissermassen die Teilnahme an zwei Zivilschutztagen von denen ich nun berichten möchte.

Wir erwiesen dem Mutterland einen ungeheuerlich wertvollen Dienst, dies sei mal vorweg erwähnt. Dem Mutterland aus dem simplen Grund, da dem Vaterland schon durch unsere Armee gedient wird.
Dazu noch folgendes Anekdötchen: Über die geografischen Kenntnisse einiges Armeeangehörigen musste ich mich letztlich mehr als wundern, denn ich wurde in Frauenfeld nach dem Weg ins Logistik-Center Hinwil gefragt. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass dieser Herr aus der Hauptstadt unseres Landes anreiste und via Google im schönen Thurgau ein Logistik Center fand. Das dieses zwar zur Post und nicht zur Armee gehört, wunderte ihn zwar ein bisschen, liess ihn aber nicht genauer darüber nachdenken ob und wo es wohl stattdessen einen Ort Hinwil geben könnte. Verständlicherweise fand er den Feind, im Volksmund als Charlie bekannt, nicht. Die erste Schlacht verpasste er bestimmt, doch in der Nachhut oder der LOGISTIK fand er sicher noch einen vakanten Posten. Und ein Zusammenschiss (ZS) Windstärke 12 dürfte ihm auch um die Ohren gefegt sein.

Zurück zu meinem ach so geliebten Zivilschutz. Also meine Einheit, die Pioniere, dienen allem was nicht dem Vaterland zugeordnet wird. Nach fassen des Tenü Orange (bis anhin als modischen Querulanten betrachtet, doch seit dem Besuch der Holländer in unserem Lande ist es der letzte Modeschrei), setzten wir uns erstmal auf einen Baumstamm, da für die Durchführung der geplanten Übung noch Material fehlte. Unter der Sonne nichts Neues. Nach ca. 45 Minuten des Austausches mit den anderen Leidensgenossen, folgte die hektischste Phase, die ich jemals im Zivilschutz erlebt hatte. Wir mussten hetzten, es wurde gebrüllt und Kommandos gegeben. Eine Verletztenbergung wurde simuliert. Auch der Verletzte, respektive der Eingeschüttete (Italiener?) simulierte dieses und jenes Bobochen, beschloss aber nach ein paar Stunden der vergeblichen Rettung durch uns zu versterben. Aber für den Tod waren wird nicht mehr verantwortlich. Das war unsere Nachhut. Wir mussten uns von diesem Stress dann von 11.00-12.00 beim Znüni erholen und da dies nicht reichte wurde nahtlos zum Zmittag bis 13.15 übergegangen.

Am Nachmittag liessen wir zwischen den ausgiebigen Pausen die Kompressoren laufen und bickelten mit dem Abbauhammer an einer alten Betondecke herum. Aber die Sonne brannte derart heiss vom Himmel, dass wir notgedrungen das Pausen/Arbeitsverhältnis zu Gunsten der Pausen auslegen mussten. Kurz vor 16hundert warfen wir den Bickel hin und fuhren fast zu Tode abgerackert vom ersten Zivilschutztag nach Hause.

Am Tag zwei fiel kühles Nass in rauen Mengen vom Himmel. Die Pickel wurden aufgrund der misslichen Bedingungen nur noch sporadisch eingesetzt und wir suchten ein trockenes Plätzchen im Wald. Dies hatte den zusätzlichen Vorteil, dass  man uns dort vor lauter Bäumen fast nicht mehr sah. Es folgten der Znüni und das wie immer blitzartige Aufräumen des «nicht benützten und somit sauberen Materials, das auch nicht gereinigt werden muss». Völlig ausser Atem setzten wir uns zum Mittag.

Der Nachmittag bestand für mich und zwei glückliche Kollegen darin, in einem Zivilschutzbunker eine Materialkontrolle durchzuführen. Durch unsere geschulten Augen konnten wir schon vor dem Bunker feststellen, dass unmöglich etwas fehlen konnte und machten es uns umgehend auf dem Allerwertesten bequem. Nach zwei Stunden Däumchendrehen forderten wir einen Taxidienst an, der uns wieder abholte und zum ursprünglichen Einsatzort zurückbrachte. Dort erfolgte der praktisch nahtlose Weitertransport in privaten Fahrzeugen zum Bunker in dem uns unser hart verdienter Sold überreicht werden sollte. Doch bis dahin blieb noch etwas Zeit, die wir bei einem Bier verstreichen liessen. Mit dem letzten Schluck Gerstensaft war dann der Sold auch schon versoffen, bevor er überhaupt verteilt war. Das Abtreten, unsere Paradedisziplin, nahm kaum 10 Minuten in Anspruch.

Bereits heute freue ich mich auf weitere glorreiche Übungen im Dienste des Zivilschutzes. Die finanzielle Schmerzen in Form von Wehrpflichtersatz kann ich mit dem Hintergedanken verkraften, zwar eine orientierungslose und aber trotzdem schlagkräftige Armee in meinem Land zu wissen. Auch sehe ich die Notwendigkeit das wirtschaftliche Potenzial eines Kleinstaates mit zwei Tagen herumstehen bei weitem zu übertreffen als unabdingbar an.

Weitere Meinungen und Ansichten folgen.

Es grüsst, Sir Rohner

 

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