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Aus Spass wurde Ernst, Ernst ist heute Verkehrskadett

Von kelseb

Letzthin, es hätte gestern sein können, machte ich eine Begegnung der einweisenden Art. Und zwar war ich bei den Verkehrseinweisern, im Fachjargon Verkehrskadetten oder VKs, einen Tag lang zum Schnuppern. Und das just bei einer Grossveranstaltung (Konzert einer US-Band, die die Masse zum Headbanging animiert).

Diese VKs sind jedem Autofahrer bekannt, unscheinbar und voller Konzentration lassen sie einem passieren oder auch nicht. Zu Unrecht werden sie von einigen Zeitgenossen als Hilfsheriffs oder Hobbypolizisten abgetan. Doch da steck mehr dahinter, viel mehr! Als ich also bei diesen VKs am Schnuppern war, realisierte ich sehr schnell, dass VK nicht gleich VK ist. So unterscheiden sich die VKs schon in der Uniform. Die Basler beispielsweise sind sehr schick angezogen: sie tragen eine Krawatte, ein Béret und weisse Handschuhe, als ob sie sich nicht zwischen RS und OP entscheiden könnten. Dann gibt es die Glarner, die sind eher angezogen wie ein Büezer oder Landwirt. Dann gibt es die St.Galler, die tragen ein Einteiler in leuchtendem Orange, als ob sie gerade von einem Lovemobil gefallen wären.

Doch die Unterschiede liegen nicht nur in der Bekleidung, sondern auch in der Art, den Verkehr zu regeln und die Autos einzuparken. Die schicken Basler weisen Parkfelder so zu, dass dem Glarner der Zigerschlitz zu Kopf steht. Obschon die Basler die Autos ballettmässig einweisen mit ihren weissen Handschuhen, würde die Parkreihe wohl besser dort stehen, wenn kein VK am Werk gewesen wäre. Der  Glarner hingegen, ganz Büezer, strebt eine möglichst gerade Line an. Dabei lässt er die Parkenden gerne auch mal wieder zurückfahren. Am besagten Konzert, welches im st.gallischen Jonschwil stattfand, bemängelten die Glarner jedoch die mangelnden Bergketten, an denen Sie sich gerne orientieren würden. Aber die Line kriegten Sie trotzdem schön hin. Die St.Galler ihrerseits legen mehr Wert darauf,  dass schön gewunken ist, als dass die Line der parkenden Autos schön ist. Aber besser als bei den Baslern kommt’s allemal.

Die Verkehrskadetten sind in sogenannten Korps organisiert. Diese muten zuweilen militärisch an. So hatte ich das Vergnügen, mit einem Herrn zu plaudern, der drei satte Striche auf seinem Overall (St.Galler) trug. Nennen wir ihn Ernst. Ernst sei Chef Ausbildung, meinte er, und schon seit mehr als einem Jahrzehnt dabei. Das «Verkehrskadetting» betrachtet Ernst als sinnvolle Freizeitbeschäftigung: Hier ein Wink, dort ein Wink…Als ich Ernst bei seiner Arbeit beobachtete, als er schon das 1000 Auto eingewiesen hat und immer noch ein Lachen auf Larve trug, da verstand ich: Es ist die Macht um Millimeter, die ihm Freude bereitet. So sagt Ernst, wenn der Motor abgestellt wird, und wenn er will, wird noch zehn Millimeter vorgefahren. Ohne Spass, es ist ihm Ernst.

Nach meinem Schnuppertag war ich ob den vielen verschiedenen Uniformen ein wenig verwirrt und irritiert, aber dennoch, dacht ich mir, wäre ich noch ein paar Jahre Jünger, ich würde dem Verkehrskadetten beitretend. Nur nicht den Baslern, die tragen weisse Handschuhe.

 

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