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Im Konkubinat mit Konkubina

Von Sir Rohner

Vor noch nicht allzu langer Zeit beschlossen Konkubina und ich eine gemeinsame Behausung zu suchen. Nur ein Ort konnte alle unsere Wünsche erfüllen und die exklusiven Bedürfnisse befriedigen und dort setzten wir auch unseren Stempel auf den Mietvertrag.

Kurz darauf konnte es also losgehen. Das Zügel- und Packprozedere wühlte mich innerlich etwas auf, fand ich doch knapp 60 Schachteln Streichhölzer und 15 Feuerzeuge in meinen Siebensachen. Ein Ausleben pyromanischer Gelüste kam in den vergangenen Jahren offensichtlich zu kurz. Ich gebe zu, dass es nicht förderlich war den letzten Nationalfeiertag im Ausland zu verbringen, doch wer studienreisen will, muss Opfer bringen.

Im Bereich Nahkampf förderte ich ein Pfadimesser, eine mittlerweile in der Schweiz verbotene Stichwaffe, drei Taschenmesser, zwei Ninjasterne und ein paar Sturmgewehrpatronen zu Tage.
Als pensionierter Waffenläufer verfüge ich aber über keinen Feuerstock mehr. Doch anscheinend soll es einen heiden Spass machen, Patronen in den Schraubstock zu spannen und dann mit dem Hammer drauf zu hauen. Dabei besteht allerdings auch die Möglichkeit, sich in den Fuss zu «schiessen». Das liess ich lieber bleiben und entsorgte das ganze Zeug artgerecht. So wie es sich gehört: Im Haushaltsmüll.

Der ganze Rest war mehr mit Anpacken und Schweisstropfen als mit emotionalen Unebenheiten verbunden. Nachdem ich mit zwei starken Mannen alle Möbel zweimal durch die Wohnung geschoben hatten, nahmen die Nachbarn das erste Mal Kenntnis von uns. Artig stellten wir (Konkubina und ich) uns vor. Vorerst mögen uns noch alle. Durch die exponierte Wohnungslage dürfen sie hin und wieder an unserem Alltag teilhaben, dies im Speziellen wenn sich die Konkubina der Auslebung ihrer künstlerischen Ader hingibt. Und das ist eine dicke Ader.

An der Futterquelle, dem Kühlschrank, konnte ich mir für die treusten männlichen Durstlöscher DEN Top Spot schlechthin sichern. Doch die unterste Schublade ist hart umkämpft. Wöchentlich versucht sich dort Gemüse einzunisten. Aber die Spezliinfanterie hat die Vitaminschmarotzer Blumenkohl, Broccoli, Fenchel und Salat bis jetzt immer wieder problemlos auf die oberen Regale verwiesen.

Unsere erste gemeinsame Errungenschaft war ein Haussegen, welchen wir gerade an die Wand nagelten. Obwohl dies im Nachhinein betrachtet etwas überflüssig war, denn in jeder modernen Diktatur hängt der Segen gerade. Nur die Betrachtungsweise zwischen dem untertänigen Fussvolk und der doch so friedliebenden Staatsmacht lässt einen gewissen Interpretationsspielraum über die Definition eines geraden Segens offen. Die Aufteilung von anfallender täglicher Arbeit fand dann aber doch demokratisch statt. Ich bestimmte was Madame zu erledigten hat und übernahm die anderer Hälfte.

Dank dem WWW lernten wir übrigens noch eine weitere Nachbarin im Haus vis-a-vis kennen. Sie entschied vor kurzem, sich ihren finanziellen Horizont durch verschiedene Dienstleistungen im männlichen Unterleibsbereich (einigen von ihnen als ULV ein Betriff) zu erweitern. Die Idee war grundsätzlich gut, denn nicht umsonst wird es als «das ältestes Gewerbe der Welt» bezeichnet. Und dieses hat noch jeden Krieg und jede Rezession überlebt. Aber etwas hat der mutigen Neueinsteigerin den geschäftlichen Todesstoss versetzt. Ein untreuer Kundenstamm? Ihr Ehemann? Oder die Übertretung des guten Geschmacks? …..der Nachbar mutmasst. Trittbettfahrer unterschätzen sich in der Anfangseuphorie eben gerne.
Jedenfalls ist ihre Site nicht mehr online. Doch selbst wenn sie noch angeklickt werden könnte, würde ich den Link nicht rausrücken. Eine Lawine Kondolenzkarten würde meinen Briefkasten überschwemmen.

Ein anderer Anwohner bereichert die Nachbarschaft in meinen Augen viel mehr. Sein Name ist MIGROL Tankstelle und bei ihm kann bis in die späten Abendstunden Tee getankt werden. Weiter Annehmlichkeiten sind steht’s gefüllte Gefrierfächer für gemütliche Abende unter Männern oder alle Zutaten für einen Wurst-Käse Salat.

Die gemeinsame Hausung ist somit also spannend. Die Integration in den Treppenhaus-Hausfrauen-Talk ist mir allerdings noch nicht gelungen. Konkubina dürfte sich dort eher perrongleichen Anschluss finden.

Besucher sind willkommen und mit Voranmeldung sind auch Gruppenführungen möglich. Verköstigung wird angeboten, solange sie sich im Masse hält.

Heben sie en schöne, Sir Rohner

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